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Jejumi Charter vs. Kroll - Wer muss den Riß in der Fock beim Chartertörn bezahlen?

Nachdem ich bereits in meinem Beitrag über den Törn um die Gedser Odde berichtet habe, dass uns am letzten Tag die Fock gerissen ist und der Vercharterer Jejumi die Auszahlung der Kaution verweigert hat, geht die Sache nun in die nächste Runde:


Leider hat Jejumi uns eine Abrechnung über 467 EUR für die Reparatur der gerissenen Fock übersandt. 177 EUR sollen dabei für das An- und Abschlagen sowie das Verbringen zum und Abholen vom Segelmacher angefallen sein.


Nachfolgend die Korrespondenz bis zum jetzigen Zeitpunkt:


Meine E-Mail vom 13.9.2020:

Sehr geehrter Herr Renfert,

wann können wir mit der Abrechnung der Kaution rechnen?

Gern höre ich.

Mit freundlichen Grüßen

M. Kroll

Es erfolgte keine Reaktion von Jejumi, auch nicht auf meinen Reminder vom 15.9.2020.


Meine E-Mail vom 17.9.2020:

Gesendet: Donnerstag, 17. September 2020 09:50 An: info@jejumi.de Cc: mk@clevias.eu Betreff: AW: Kautionsabrechnung

Sehr geehrter Herr Renfert,

ich erwarte die Kautionsabrechnung spätestens bis zum 21.9.2019.

Meine Bankverbindung lautet:

DE (...)

Wie ich Ihnen bereits in unserem Telefonat anlässlich der Rückgabe der „Summer Dream“ mitgeteilt hatte, sind wir mit einer Übernahme der Kosten für den Riss des Segels grundsätzlich nicht einverstanden, da sich die Segel – sowohl Groß als auch Vorsegel – in einem ausgesprochen schlechten Zustand befunden haben und das Segel unter den von uns gefahrenen Bedingungen nicht hätte reißen dürfen. Aus diesem Grunde hatte ich mich auch mit einem Einbehalt der Kaution – insbesondere in voller Höhe – nicht einverstanden gezeigt. Einer Übernahme von Kosten unsererseits für die Reparatur des Segels würden wir allenfalls ohne Präjudiz für die Sach- und Rechtslage und ohne Anerkennung einer Rechtspflicht in einer angemessenen Höhe zur Vermeidung einer weiteren Auseinandersetzung akzeptieren. Insoweit sehen wir Ihrer Abrechnung entgegen.

Insgesamt sind wir über den Verlauf der Charter mehr als enttäuscht. Ihnen war bekannt, dass wir eigentlich mit dem Boot eine Regatta segeln wollten. Im Nachhinein hat es sich aufgrund des Zustandes der Yacht als Glücksfall erwiesen, dass die Regatta abgesagt worden ist, denn mit dieser Yacht hätten wir uns auf der Regatta nicht sicher gefühlt. Wie ich bereits Ihrem Mitarbeiter anlässlich der Rückgabe der „Summer Dream“ ausgeführt habe, hatte die Yacht eine Vielzahl von Mängeln und Defekten, die bei der Übergabe nicht zu erkennen waren und sich erst im Fahrbetrieb nach und nach zeigten; nachfolgend nur die wichtigsten:

  • Fockleinenklemme lose und öffnet sich eigenständig,

  • Navigationslichter – Anzeige defekt

  • Logge defekt

  • Pinne löste sich vom Ruderblatt und musste mehrfach wieder verschraubt werden

  • Boje des Rettungsringes löste sich mehrfach

  • Navtex löste sich aus der bereits defekten Verschraubung

  • Radar funktionierte nicht

  • Landstromkabel hatte einen Wackelkontakt (dauerte 1,5 h, den Fehler zu finden)

  • Raymarine - Masteinheit im Mast riss ab, woraufhin die Windmessanzeige nicht mehr funktionierte.

Mit freundlichen Grüßen

M. Kroll

Daraufhin antwortete Jejumi kurz und knapp am 23.9., dass die Schadensabrechnung für das defekte Vorsegel beigefügt ist und der Restbetrag bereits angewiesen wurde.

In der Abrechnung werden 290 EUR für die Reparatur des Vorsegels und 177 EUR für das An- und Abschlagen sowie das Verbringen und Abholen des Segels von Burgtiefe nach Burgstaaken und zurück veranschlagt - auf dem Briefkopf von Jejumi und ohne gesonderte Rechnung des Segelmachers.


Meine E-Mail hierauf vom 23.9.2020:

Sehr geehrter Herr Renfert,

ich bin mit Ihrer Abrechnung nicht einverstanden.

Wie ich Ihnen bereits ausgeführt habe, sehen wir unsererseits keine Verantwortlichkeit für den eingetretenen Schaden.

Ohne Präjudiz für die Sach- und Rechtslage und ohne Anerkenntnis einer Rechtspflicht sind wir bereit, die Hälfte der angefallenen Kosten zu tragen.

Sollten Sie hiermit nicht einverstanden sein, lasse ich die Sache gerichtlich klären.

Ich bitte daher um Überweisung eines Betrages in Höhe von 233,00 EUR auf das Ihnen bekannte Konto bis spätestens zum 26.9.2020.

Sollte der Betrag bis dahin nicht eingegangen sein, sehe ich mich an mein Vergleichsangebot nicht mehr gebunden.

Mit freundlichen Grüßen

M. Kroll

Daraufhin antwortete Jejumi, dass Jejumi es verstehen kann, dass die Reparatur eines entstandenen Schadens nicht glücklich ist. Daher würde seitens Jejumi für unsere nächste Charter der Abschluss einer Kautionsausfall- und/oder einer Skipper-Haftpflichtversicherung empfohlen, die im Falle eines Schadens einspringen und diesen begleichen würden.

Jejumi müsse jedoch an dieser Stelle einmal darauf hinweisen, dass ich den entstandenen Schaden hätte verhindern können, wenn ich mich an die im Chartervertrag abgeschlossenen Allgemeinen Geschäftsbedingungen gehalten hätte.

In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen ist unter §C Abs. 8 festgelegt, dass ein Auslaufen aus dem Hafen ab einer angesagten Windstärke von 7 Bft. nicht gestattet war. Diese Regel habe ich eindeutig missachtet und bin trotz der brisanten Wetterlage in den Ausgangshafen zurück gesegelt. Bei einem Telefonat hätte Jejumi die Yacht auch in einem anderen Hafen zurückgenommen bzw. mehr Zeit für die Rückreise zur Verfügung gestellt.

In diesem Zusammenhang sandte Jejumi die Wetterberichte des Deutschen Wetterdienstes für das gecharterte Wochenende. Der Emails war u.a eine Böenwarnung vom Vortag für den Schadenstag bis zu 7 Bft beigefügt. Eine Wettervorhersage mit einem Grundwind von 7 Bft für den Schadenstag war nicht beigefügt.


Jejumi bat daher um Verständnis, dass Jejumi unserem Vergleich nicht zustimmen werde und wünschte uns ein schönes Wochenende.


Daraufhin meine Antwort vom gleichen Tag:

Sehr geehrter Herr Renfert,

vielen Dank für Ihre Hinweise.

Leider gehen Ihre Ausführungen in mehrfacher Hinsicht fehl.

Zunächst sind Ihre AGB gar nicht wirksam in das Vertragsverhältnis einbezogen worden.

Weiterhin ist die von Ihnen in Bezug genommene AGB – Klausel nach der Unklarheitenregelung des § 305c Abs. 2 BGB unwirksam.

Unabhängig davon sind Ihre Ausführungen in der Sache auch unzutreffend, da Sie eine Vorhersage für Böen vom 5.9.2020 in Bezug nehmen, die sich am Schadenstag (6.9.2020) zum einen nicht bestätigte, zum anderen aber auch irrelevant ist, da sich diese Warnmeldung wie ausgeführt allein auf mögliche Böen, und nicht auf den konstanten Wind bezog, der am 6.9. um 08.00 Uhr unmittelbar nach Überprüfung durch mich vor unserem Auslaufen mit 17 kn Grundwind in dem von uns besegelten Seegebiet aus W/SW angesagt war.


Schlussendlich bin ich – auch nach Rücksprache mit einem befreundeten Segelmacher in Hamburg – zudem der Auffassung, dass die angesetzten Kosten für die Reparatur völlig übersetzt sind. Dies gilt gleichermaßen für den Ansatz der Kosten von 177 EUR für das An – und Abschlagen und Verbringen und Abholen zum und vom Segelmacher, wofür es überhaupt keine Anspruchsgrundlage gibt. Nur am Rande bemerkt habe ich auch Zweifel, ob die Reparatur überhaupt durchgeführt wurde, da Sie keine Originalrechnung des Segelmachers vorgelegt haben.

Es gibt also eine Vielzahl von tatsächlichen und rechtlichen interessanten Fragen, die wir nun in einem gerichtlichen Verfahren zu klären haben werden. Ob das wirtschaftlich sinnvoll ist, ist ein andere Frage, aber nach Ihrer letzten E-Mail ist die wirtschaftliche Seite für mich von untergeordneter Bedeutung. Allein aufgrund des Umstandes, dass Sie mir mit Ihren Ausführungen eine gute Seemannschaft absprechen, weckt dies in mir den sportlichen Ehrgeiz, die Sache nun tatsächlich rechtlich klären zu lassen

Ich werde sodann am Montag eine Klage vorbereiten lassen und bin gespannt auf die Erkenntnisse, die uns das gerichtliche Verfahren bringt.

Ich wünsche Ihnen ebenso eine schönes Wochenende.

Mit freundlichen Grüßen

M. Kroll

Ich bin von dem aus meiner Sicht kundenunfreundlichen Verhalten der Firma Jejumi einigermaßen überrascht. Im Oktober 2019 hatte ich schon einmal ein Boot bei Jejumi gechartert und war über den freundlich - unkomplizierten und kundenorientiert-pragmatischen Umgang sehr erfreut. Von da an hatte ich Jejumi immer wieder empfohlen. Das kann ich nun definitiv nicht mehr tun.


Tatsache ist, dass das Boot und auch die Segel wirklich "ollsch" waren. Dazu sollte der Vercharterer auch stehen, wie ich finde. Man hätte einen angemessenen Betrag am Tag der Rückgabe ohne Schuldzuweisungen hanseatisch ausverhandeln können, sich in die Augen geschaut und dann wäre die Sache für beide Seiten erledigt gewesen.


Jejumi verweigerte aber erst einmal die Rückgabe der gesamten Kaution, muss dann nach mehr als zwei Wochen um eine Abrechnung massiv gebeten werden, reagiert nicht, muss dann erneut - sogar mit Fristsetzung - zur Abrechnung angemahnt werden und legt eine "Eigenabrechnung" ohne Nachweise des Segelmachers und mit einem völlig übersetzen Betrag für das An- und Abschlagen vor.


Sich dann aber auch noch auf den Standpunkt zurückzuziehen, es habe eine Böenwarnung bis 7 Bft gegeben und deshalb habe ich nicht auslaufen dürfen, wenn die Klausel unklar so formuliert ist, dass man ab 7 Bft nicht den Hafen verlassen dürfe, der Grundwind aber gerade einmal bei 17 kn angesagt war, d.h. Windstärke 5 und sich tatsächlich Böen ab 29 kn am Schadenstag gar nicht bestätigten, ist aus meiner Sicht ein Verhalten, das nach meiner Meinung nichts mehr mit einem fairen Umgang unter Vertragspartnern zu tun hat - ganz zu schweigen von Kundenorientiertheit.


Rechtlich ist die Sache in der Tat in mehrfacher Hinsicht spannend, aber ich werde an dieser Stelle noch nicht ins Detail gehen. Von besonderer Bedeutung ist naürlich, ob die Klausel von Jejumi wirksam ist oder nicht. Es gibt m.E. gerade auch mit Blick auf die Empfehlungen verschiedener Yachtversicherer sehr gute Gründe, von einer intransparenten Klausel auszugehen. Hinzu kommt natürlich die Problematik, ob die Geschäftsbedingungen überhaupt wirksam in den Chartervertrag einbezogen worden sind. In schadensrechtlicher Hinsicht ist u.a. fraglich, ob und wenn ja, in welcher Höhe die Reparatur- und insbesondere die Arbeitsaufwandspositionenangefallen sind.


Auch wenn ich am Ende nicht als Sieger vom Platz gehen sollte, kann ich es mit meinem Judiz und auch meinem Verständnis von Fairness im Umgang miteinander nicht vereinbaren, diese Sache einfach so stehen zu lassen, auch wenn es "nur" um 467 EUR geht.


Daher möchte ich diese grundsätzliche Frage, wer denn die Kosten eines Risses im Segel unter Charterbedingungen zu tragen hat, gerichtlich klären lassen. Ich bin - auch oder gerade als Anwalt - privat wahrlich kein Streithansel und hier habe es auch sicher nicht darauf angelegt, wie man es aus meinen Vergleichsversuchen ersehen kann. Aber nach diesem Auftritt von Jejumi muss eine gerichtliche Klärung nun sein.


Ich werde in meinem Blog weiter über den Fortgang der Sache berichten, zumal die Frage, wer bei einer Charter ein gerissenes Segel zu bezahlen hat, von Interesse für die Chartergemeinde sein könnte.


Selbstverständlich bin ich an Feedback zu diesem Fall sehr interessiert.

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