Vegvisir Race 2025 - Anspruchsvoller Kurs durch ein außergewöhnliches Revier
- Maddi

- vor 11 Stunden
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Im September 2025 nahmen Marko und ich am Vegvisir Race teil, einer der anspruchsvollsten Double-Handed-Regatten in der Ostsee. Gesegelt haben wir den langen Kurs, der nicht nur durch seine Länge von deutlich über 180 Seemeilen überzeugte, sondern vor allem durch eine außergewöhnliche und erstmals so gesegelte Streckenführung.





Neue Strecke mit hohem navigatorischem Anspruch
Erstmals führte ein Vegvisir-Race-Kurs 2025 dicht an Samsø vorbei und durch die engen, anspruchsvollen Gewässer zwischen Skanse, Lindholm und Kyholm. Dieses für viele Teilnehmer bislang wenig bekannte Revier erwies sich als landschaftlich außergewöhnlich, zugleich aber navigatorisch fordernd. Enge Passagen, Untiefen und wechselnde Strömungen verlangten präzise Planung und permanente Aufmerksamkeit.
Der Regattaveranstalter Morten Brandt Rasmussen, der das Gebiet selbst im Sommer erkundet hatte, beschrieb dieses Bilderbuchrevier treffend mit den Worten:
„Man fühlt sich fast wie in einer Zeitkapsel in die Eiszeit zurückversetzt.“
Wir kannten diese Gewässer bereits aus zwei anderen Törns und hatten dort schon unsere Erfahrungen gemacht: Auf einem Schlag nach Aarhus hatten wir in dieser engen Passage trotz genauer Navigation mit Karte, Kompass und GPS für einen Moment Grundberührung. Wir wussten also, was auf uns zukam, waren aber in der Lage, nach der ersten Nacht, in der wir zuvor die Große Belt - Brücke nach Norden passierte hatten, diese Passage einigermaßen zu meistern.




Von Samsø bis ins Smålandsfarvandet
Nach der Passage vor Samsø führte der Kurs weiter um Sejrø, nachdem wir das Fahrwasser des Großen Belts gequert hatten. Dabei haben wir zwischen den wie an einer Perlenkette aufgereihten "dicken Pötten" durchkreuzen müssen, was irgendwann Great Belt Traffic veranlasste, uns anzufunken und zu fragen, was wir denn da gerade machen würden. Als wir erläuterten, dass wir zum Regattafeld des Vegvisir Race gehören und möglichst sicher queren wollten, waren die Dänen dann sehr entspannt.
Anschließend führte der Kurs uns südlich unter der Brücke über den Großen Belt hindurch, vorbei an Agersø. Über Femø, Fejø und Vejrø ging es in das Smålandsfarvandet, ein weiteres anspruchsvolles Revier, das taktisches Denken und sauberes Navigieren erforderte. Hier tauchten wir in die zweite Nacht ein, die seglerisch in besonderem Maße anstrengend und spannend zugleich werden sollte.
Bereits in der Dämmerung lieferten wir uns mit einem Kontrahenten ein unmittelbares Matchrace, was bis tief in die Nacht anhalten sollte. Teilweise mit wenigen Meter Abstand segelten wir bei Dunkelheit neben- und hintereinander mit 7 - 8 kn in den Smålandsfarvandet, währenddessen wir an Back- und Steuerbord bisweilen Tiefen von 1 - 2 Metern hatten. Erst in den frühen Morgenstunden konnten wir mit einem taktisch besseren Manöver an den Kontrahenten vorbeiziehen.



Von dort aus führte der Kurs zurück in den Start- und Zielhafen Nyborg, wobei vorher noch eine besondere Herausforderung auf uns wartete: Als wir bereits in der Ferne die orangenen Zieltonnen erkennen konnten, fiel der Wind ein. Weitgehend vollständige Flaute. Dies war insbesondere deshalb eine Herausforderung, weil wir zu dem Zeitpunkt bereits zwei Nächte weitgehend ohne Schlaf durchgesegelt hatten, was auch seinen Tribut forderte: Marko sah zunächst eine Person auf dem Vorschiff herumtanzen und verwechselte dann die Instrumente mit dem Gesicht eines Murmeltiers. Und ich sah in der Nordspitze von Langeland auf der GPS-Karte einen abgeschnittenen Finger. Das Gehirn spielt einem bei Schlafmangel doch irgendwann interessante Streiche.


Diese Streckenführung machte den langen Kurs 2025 zu einer echten navigatorischen Regatta: weniger Fokus auf reine Geschwindigkeit, dafür umso mehr auf strategische Entscheidungen, Revierverständnis und konsequentes Bootshandling.
Lange Wachgänge, wenig Schlaf und wechselnde Bedingungen forderten nicht nur körperlich, sondern auch mental. Vertrauen, klare Kommunikation und ein gemeinsames taktisches Verständnis waren entscheidend.
Was bedeutet eigentlich „Vegvisir“?
Eine Frage taucht insbesondere bei neuen Teilnehmern immer wieder auf: Was bedeutet eigentlich der Begriff Vegvisir?
Ein Vegvisir ist ein magisches isländisches Symbol, das Menschen helfen soll, ihren Weg zu finden. Dem Mythos nach wird sich jeder, der dieses Symbol trägt, niemals verirren – auch nicht in Stürmen oder bei schlechtem Wetter – und stets sicher durch das Unbekannte navigieren.
Der Vegvisir dient damit sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinne als Kompass. In der nordischen Mythologie hilft er, den Weg auf dem Meer zu finden; zugleich steht er sinnbildlich für persönliche Reisen, Entscheidungen und Orientierung im Leben. Kaum ein Name könnte daher besser zu einer Regatta passen, bei der Navigation, Verantwortung und der Umgang mit Unsicherheit im Mittelpunkt stehen.

Fazit
Das Vegvisir Race 2025 auf dem langen Kurs war weit mehr als eine sportliche Herausforderung. Die neue Streckenführung verband anspruchsvolles Segeln mit einem außergewöhnlichen Revier und machte die Regatta zu einer intensiven Lernerfahrung.
Für uns steht diese Teilnahme exemplarisch für das, was Langstrecken- und Offshore-Segeln ausmacht: Konzentration, Teamarbeit und die Fähigkeit, unter anspruchsvollen Bedingungen den richtigen Kurs zu halten. Ein Rennen – und ein Name –, der Programm ist.




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